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Der Zoo Doc im Einsatz: Mandrill Weibchen Jenny

Nachdem das Tierpflegerteam in der Tierwelt Herberstein immer ein waches Auge auf ihre tierischen Schützlinge haben, kann sich unser Zootierarzt Dr. Reinhard Pichler über Abwechslung in seinem Arbeitsalltag nicht beklagen. Seine tierischen Patienten werden mit den verschiedensten Symptomen und Wehwehchen bei ihm vorstellig. Und nachdem Wildtiere sehr gut darin sind, allfällige gesundheitliche Probleme gut zu verstecken, ist eine Diagnose oftmals nicht leicht.

Aber nicht nur Krankheiten müssen behandelt werden, auch vorbeugende Maßnahmen sind zu treffen. Und dazu gehört auch der Bereich der Geburtenkontrolle. Denn obwohl Geburten zweifellos zu den schönsten Ereignissen im Zooleben gehören (nicht nur für das Tier selbst, sondern auch für Betreuer und Zoobesucher), so ist in manchen Fällen trotzdem eine Regelung der Geburtenrate angesagt. Und dabei macht man sich auch beim Tier die Humanmedizin zunutze. In manchen Fällen ist es die Pille, aber in anderen auch ein Hormonstift, der zum Einsatz kommt. So wie in diesem Fall:

Mandrillweibchen Jenny, 27

Der Mandrill (Mandrillus sphinx) ist die größte Pavianart der Erde. Ursprünglich in den Regenwäldern im Westen Zentralafrikas beheimatet, geht der Bestand in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zurück. Die Gründe dafür: Zerstörung der Wälder durch Abholzung und Straßenbau, Erschließung von Bodenrohstoffen, Bejagung zur Fleischgewinnung und der Klimawandel.

Zur Erhaltung der Art wurden in Afrika Schutzgebiete geschaffen, trotzdem sinkt der Bestand immer weiter. Auch die europäischen Zoos tragen zur Arterhaltung bei, so gibt es ein europäisches Erhaltungszuchtprogramm, das vom Zoologisch-botanischen Garten Budapest geführt wird. Ziel des Programms ist es, in Zoos stabile und vor allem genetisch gesunde Populationen zu erhalten, die – sollte sich die Situation in freier Wildbahn bessern – auch ausgewildert werden könnten.

Im Zuge dieses Programms wurden auch in Herberstein zwei Tiere angesiedelt: 2003, Weibchen Jenny, geboren in Augsburg, aus dem Tiergarten Schönbrunn, und ein Jahr später, 2004, Männchen Kara aus dem Zoo Münster. Die Paare oder Gruppen für die Zuchtprogramme werden nach genetischen Gesichtspunkten zusammengestellt, um eine möglichst große Genvielfalt in Zoos zu gewährleisten. Obwohl Mandrills aufgrund ihrer Färbung und Größe zu den eindrucksvollsten Primaten gehören, werden sie in immer weniger Zoos gehalten. Dementsprechend schwierig ist es in den letzten Jahren auch geworden, die Nachzuchten zu platzieren.

Von 2007 bis 2010 wurden 3 männliche Jungtiere geboren, das letzte Jungtier, Kamau, übersiedelte erst 2018 als bereits geschlechtsreifes Männchen in den Chester Zoo in Großbritannien. Schon nach seiner Geburt 2010 wurde vom EEP-Koordinator ein Zuchtstopp bestimmt, seither wird unserem Mandrillweibchen in regelmäßigen Abständen ein Hormonstift eingesetzt, der für ca. 3 Jahre vor einer ungewollten Trächtigkeit schützt. Das Video zeigt FTA Dr. Reinhard Pichler bei der Entfernung des alten sowie der Platzierung des neuen Stifts. Assistiert wird ihm dabei von Revierleiterin Nathalie Christin.

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